Claudia Maschek
 
  Wortbilder

Rede zur Austellung "espace's" Hallo Leben

Hallo Leben,
du willst nicht immer so wie ich
und ich nicht immer so wie du.

Oft laufe ich an dir vorbei
Und manchmal neben dir her.

Aber manchmal,
da stehe ich dir unerwartet gegenüber,
schaue dich an,
und wir gehen ein Stück gemeinsam.
Bis zu dem Moment,
in dem ich dich wieder aus den Augen verliere

Rede zur Austellung "espace's" Immerwährendes Strahlen

Immerwährendes Strahlen
in der Vergänglichkeit des Laufens.

Wenn denn die Maus nicht wäre,
würde der Hamster nicht in seinem Rad fegen.

Auch der Fluss findet sein Bett,
denn er läuft den Berg hinauf
um sich eine Wolke zu greifen,
die du vergessen hast zu pflücken.

Wenn doch nur das Beet nicht gepflügt wird,
denn der Bauer hat vergessen das Tor des Himmels zu öffnen.

Als er den Schlüssel aus dem Bett nahm,
sah er die Glocken im Turm der Kirche.
Sie läuteten schwingend,
einladend zum Tanze.

Der Pfarrer, in seiner schwarzen Kutte,
nahm den Messbecher,
trat hinaus in den Garten, um eine Rose zu greifen,
die du vergessen hast zu pflücken.
Ihre Dornen waren spitz und zart.

Ein Vogel saß in einem Baum.
Er lauschte seinem eigenen Zwitschern.
Hingebungsvoll und verliebt in sich selbst
blähte er seine stolze Brust.
Selbst die Biene war betört von seinem Duft.

Nun schwebe ich mit den Wolken.
Dort unten sitzt ein Frosch, in meinem Teich.
Sein Quaken schallt durch die Schluchten,
fällt mit dem Wasserfall hinunter
in deinen Suppenteller.
Gewaltige Wogen in deinem Teller.
Aufwallende Gefühle der Freude spazieren über den Rand deines Tellers,

in deinen Schoss.

Wenn denn die Maus nicht wäre
Hätte die Katz nix zu tun.

Rede zur Austellung "espace's" Momente

Momente,
in denen das Vertrauen
an das Leben,
an dich –
absolut sind.

Geschenke, Nahrung für meinen Acker,
den ich immer wieder
neu bepflanze.
Zeiten, in denen die Ernte reich und üppig
aber auch Zeiten der Dürre,
in denen ich verzweifelt Ausschau halte,
nach Regenwolken suche,
tanze, um dich zu beschwören
meinem Acker das Leben zurück zugeben.

In der Erde suche ich
nach aufkeimenden Samen,
Keimlingen der erneuten Liebe –

zu dir,

um sie zu hegen,
wieder und wieder
zur Blüte zu bringen.

Rede zur Austellung "espace's" Ein Gedanke

Ein Gedanke löst sich aus meinem Kopf,
springt dir entgegen als lustvolles Wort.

Setzt sich dir auf die Nase
und kitzelt dich wach.

An diesem grauen Novembermorgen
soll er dir Freude schenken.

Komm wir stellen ihn in eine Vase,
als freudiges Zeichen.

An diesem ach so grauen Tag,
soll er unsere Seelen wärmen.

Ein Gedanke – ein Wort

Rede zur Austellung "espace's" Die Strecke

Die Strecke, die du läufst,
ist nicht der Weg, den du gehst.

Die Teile des Ganzen
sind nicht die Stücke vom Kuchen.

Eigentlich gehst du den Weg, den du kamst, nur zurück.
Und trotzdem kommst du ans Ziel.

Das Blatt liegt vor deinen Füßen,
du musst es nur aufheben.

Denn, du bist schon mittendrin
in deiner Geschichte …

Sprach die Schildkröte,
bevor sie den Kopf unter

ihren Panzer zog.

Rede zur Austellung "espace's" Die Sehnsucht

Die Sehnsucht

hat mich wach geküsst
aus meinem Traum.

In roten Schuhen,
weich wogendem Gang
durchschritt sie meinen Traum.

Nun bin ich wach,
will das Fest der Sinne feiern,
das Leben tanzen,
bis ich müde werde,
mich zurückbegebe
in meinen Schlaf.

Um zu träumen.

Von der Liebe.

Von Dir.

Rede zur Austellung "espace's" Im lauen Morgenwind

Im lauen Morgenwind
ein leises Zittern der Blätter.
Kaum hörbar.

Warmer Wind streicht über deinen Körper,
entlockt ihm ein Lächeln.

Der Morgengesang einer Amsel
dringt langsam an dein Ohr,
und deine Seele singt mit ihr.

Der Frühling kehrt zurück.

Ich schenke dir mein Lächeln.
Es soll dich begleiten an diesem Tag.

Rede zur Austellung "espace's" Sommersonnentag

Sommersonnentag

Worte,
Wortfetzen,
neben mir, über mir, hinter mir.
In der Luft ein Hubschrauber.
Autos, Motorräder auf der Straße.
Ein schreiendes Kind.

Auf dem Asphalt schwitzt schweigsam ein Eis vor sich hin.
Schäumende Wogen in einem Meer aus Geräuschen …
nicht wirklich kühlend.

Was für ein herrlicher Sommersonnentag.

Wir sitzen uns gegenüber. Mein Hund mit einer großen Sonnen-
brille und einem breiten Grinsen im Gesicht. Meine Schildkröte, mit
aufgespanntem Sonnenschirm, schlürft ihre Limonade; in ihrem
Haus war es viel zu eng und zu warm an diesem Tag; und ich mit
einer Krone  auf dem Kopf, die Prinzessin des herrlichen Sommer-
sonnentages.

Wir schweigen.

Um uns herum wird alles schon gesagt.
Die Hitze der Worte lässt uns immer träger werden. Wir schwimmen in dem Meer der Worte und kühlen uns in unserem Schweigen.

Was für ein herrlicher Sommersonnentag.
Nein, wir müssen wirklich nicht immer zum Frühstück nach Venedig fliegen.

Rede zur Austellung "espace's" Eins, Zwei, Drei

Eins, zwei, drei, es muss nicht sein.
Da wir uns sehen, muss es nicht wirklich sein,
wenn wir uns sehen, muss es nicht wirklich sein.
Eins, zwei, drei, das ist fein.

Ein Faden spinnt sich aus meinem Kopf und schwingt sich um deinen Hals.
Du streckst die Zunge heraus. Ein Auge rollt über den Teppich. Ich hebe es auf. Es ist blau. Ich sehe hinein und sehe das Meer, die Wüste, den Mond und die Sterne. Ein Fuß in dem Auge, Menschen die zum Frühstück nach Venedig fliegen.

Werden wir uns wiedersehen, wenn all die Lasten getragen sind? Werden wir den Flieger besteigen, wenn alle Berge gewandert sind? Wenn wir das Meer der Worte gefunden haben, was werden wir tun? Die Worte sammeln, in Marmeladengläser packen und sie ein-
kochen …, konservieren? Ins Regal stellen und mit Datum versehen? Damit wir uns erinnern, in welchem Jahr, an welchem Tag sagtest du mir, dass du mich liebst, dass du mich nicht ein zweites Mal gehen lässt.  In welchem Jahr, an welchem Tag sagte ich, dass ich mit dir alt werden will. Es ist ein kleines, schönes Regal in dem all diese eingekochten Marmeladengläser stehen. Geordnet nach Jahres-zahlen. Haltbar gemacht für eine gewisse Zeit. Schön anzusehen. Aber hier in diesem Regal findet sich nur die vergangene Zeit. Was ist mit dem Jetzt? Ich laufe am besten ganz schnell los und besorge neue Einweckgläser, um das Jetzt einzukochen. Oder besser ein-frieren, ins Tiefkühlfach legen ... .  Aber dann ist es nicht so schön zu betrachten. Das konservierte Jetzt liegt dann versteckt in dem Gefrierschrank. Besser sind doch die Einweckgläser, da kann ich dem Ganzen auch etwas Zucker zugeben. Aber Vorsicht, nicht übersüßen!

So geht es weiter und weiter. Ein Wort schließt sich an das andere. Eine endlose Kette von Gedanken, nichtig und mitunter auch mal tiefsinnig.

Ach, wie schön ist Panama.

Das Wasser läuft aus der Badewanne ab. Das Radio dröhnt, um die Stille nicht ertragen zu müssen. Der Kühlschrank stöhnt und der Himmel ist grau. Die gestrige Sonne hat ihm all seine Kraft entzogen. Das Schlagzeug schaut stumpfsinnig vor sich hin. Der Vorabend hat ihm alle Kraft heraus geprügelt. So dümpelt der Morgen vor sich hin. Ja, wir müssen es uns eingestehen, das war gestern der letzte Sommersonnentag in diesem Jahr. Nun kehrt der Herbst die Straßen und zieht ein.

Oh, wie schön ist Panama. Heute muss ich doch zum Frühstück nach Venedig fliegen. Oder doch nach Panama? Oder einfach mit einer Tasse Kaffee wieder ins Bett?

Oh, wie schön ist Panama.

Mist, wenn ich das Jetzt konserviere, ist es nicht mehr das Jetzt. Oh, wie blöd ist ist das denn?

Rede zur Austellung "espace's" Ich glaube

Ich glaube,
dass deine Seele den Weg kennt, den sie gehen muss.

Ich bin mir sicher,
dass die Seele eines jeden den Weg schon kennt,
den sie geht,
noch gehen wird
und zu gehen hat.

Ich glaube,
wir alle kennen unseren Weg.
Irgendwo, ganz tief verborgen liegt er und manchmal,
in ganz kurzen Momenten, in denen wir uns selbst nahe sind,
spüren wir ihn, diesen Weg.

Warum wir alle dies vergessen haben?
Unseren Weg, wohin, warum und überhaupt?
Ich weiß es nicht.
Ich bin auch ein Pilger auf der Straße
voll vom Staub der offenen Fragen.

Und weißt du was?
Wenn ich dann einen Käfer sehe,
so klein, auf dem großen, breiten, endlosen Weg…,
wie er ruhig seinen Weg geht,
sich nicht beirren lässt,
bricht Bewunderung in mir aus.

Er ist einfach da, als würde er getragen von einer Kraft. Als hätte er ein Ziel vor Augen, was ich nicht sehe, was ich nicht kenne. Aber ich glaube meine Seele kennt es, sonst würde sie nicht in Ehrfurcht und Ruhe stehen bleiben, um ihm zuzuschauen.

Er ist einfach nur.
Er ist was er ist.

Schön und einfach.

Rede zur Austellung "espace's" Herbst

Der Tag fällt herab wie ein Blatt im Herbst

Die Hunde trotten lustlos

Ich möchte den Himmel küssen

Ungeteilte Freude

Der Faden der Gedanken

Ein Faden spinnt sich heraus

Berge wandern
Wandernde Berge

Das Meer der Worte

Wortsammlerin

Konservierte Zeit

Die Kette der Gedanken

Ein Gedanke springt dir entgegen

Der Gedanke sitzt auf deiner Nase

Wenn denn die Maus nicht wäre, hätte die Katz nix zu tun

Ich pflanze magische Worte

Das Leben tanzen

Sehnsucht

Du bist mittendrin in deiner Geschichte

Fäden verweben

Alte und neue Fäden

Rede zur Austellung "espace's" Traum

Ein Traum, der geboren werden will

Das Radio erträgt die Stille nicht

Der Kühlschrank stöhnt

Das Schlagzeug schaut erwartungsfroh
Das Schlagzeug schaut stumpfsinnig

Der Herbst kehrt die Straßen

Das Eis schwitzt

Ein  Meer aus Geräuschen

Prinzessin des Sommersonnentages

Rede zur Austellung "espace's" Worte

Wir finden die Worte,
in dieser Sternennacht.
Verweben sie zu einem Netz
aus Tänzen und Klängen.

Für Dich,
du Göttin der Nacht.                 

Rede zur Austellung "espace's" Schon wieder

Und schon wieder neigt sich ein Sommer dem Ende.
Ein Sommer,
ein Lebensjahr.
Ein Jahr unserer Lebenszeit,
in dem wir keine Zeit für uns hatten
und all das, was wir miteinander erleben wollten.

Ich fühle den Herbst in mir.
sehe, nicht nur die Rosen sind verblüht
und werfen ihre Blätter ab.
Auch unsere Liebe legt ihr Brautgewand ab,
der Winter kehrt ein.

Haben wir den Mut, auf die Wiederkehr des Sommers zu warten?
Haben wir den Mut auf die Wiederkehr zuzugehen?         

Rede zur Austellung "espace's" Für mein Haar

Für mein Haar
flocht ich mir einen Kranz,
aus weißen Blumen.

Für dich
zog ich mein schönstes Kleid an
und legte dir mein Herz zu Füßen.

Zu viele Menschen standen vor mir.
Du konntest mich nicht sehen.

Rede zur Austellung "espace's" Worte leicht und schnell

Worte,
leicht und schnell daher gesagt.
Was sind sie wert?

Worte,
die ich entgegennahm,
nicht wissend, was sie wert sind.

Leere Worte,
auf denen die Pflanzen meines Gartens vertrocknen,
seinem Boden den Nährstoff rauben.

Diese Worte,
nehme ich nicht mehr an.

Ich will ihn reich und üppig,
meinen Garten.

Rede zur Austellung "espace's" Der strenge Wächter

Der strenge Wächter in mir gibt Ruhe.
Das Gefühl im Bauch ist zu prall,
findet kein Argument mehr.

Ich möchte Samen ausstreuen,
die Samen meiner Pflanzen.
Damit sie wachsen und gedeihen
in meinem Garten.

Ich will ihn reich und üppig,
will seine Früchte ernten,
mich in den Zeiten des Winters
an ihnen laben.

Mein Garten wird mir helfen
Dürrezeiten zu durchschreiten,
um ans Meer zu gelangen.
Dort werde ich Muscheln sammeln
und auf Delphinen reiten.

Rede zur Austellung "espace's" Meinen Garten

Meinen Garten will ich reich und üppig.

Ich werde tanzen,
magische Worte als Wächter vor die Pforten meines Gartens pflanzen.

Die Erde nimmt den Regen in sich auf,
empfängt den Himmel,
aus dessen Lenden das Wasser entspringt.

Rede zur Austellung "espace's" Und wieder ein Tag

Und wieder ein Tag,
der sich dem Ende neigt.
Im Rücken die Nacht
schleicht langsam ein neuer Tag heran.

Werde ich ihm Inhalt geben können?
Trägt er den Inhalt schon in sich,
einfach …
weil er ist?

Ein Tag geht vorbei.
Er fällt herab,
wie ein Blatt im Herbst.

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